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Curriculum
für den
Weiterbildungskurs systemische Beratung

1. Zielgruppe

Angesprochen werden Fachkräfte aus therapeutischen und auch solche aus nicht-therapeutischen psychosozialen Handlungsfeldern (SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen, DiplompädagogInnen usw.).

2. Lernziele:

  1. Konzeptionelle Grundlage ist ein integrativer systemischer Ansatz, insbesondere die Verbindung systemisch-konstruktivistischer und lösungsorientierter Konzepte, angereichert durch systemisch phänomenologische Elemente, v.a. Familien- und Stukturaufstellungen.
  2. Der Fortbildungskurs vermittelt methodisch-beraterische Kompetenzen für systemisches Arbeiten in psychosozialen Handlungsfeldern. Trainiert wird die grundlegende Fähigkeit zur Wahrnehmung und Veränderung von (Interaktions-)Mustern in sozialen Systemen. Die Familie wird dabei nur als ein mögliches Bezugssystem betrachtet.
  3. Der Kurs soll befähigen, Muster in sozialen Systemen zu erkennen und Anstöße zur Veränderung von Denk-, Gefühls-, Handlungs- und Interaktionsmustern zu geben. Zentrales Anliegen dabei ist es, die TeilnehmerInnen möglichst bald in die Lage zu versetzen, zunächst kleine aber wirksame Veränderungs-Schritte im eigenen Arbeitsfeld zu realisieren; dies bedeutet eine Reflexion und schrittweise Modifikation des eigenen Arbeitsstils. Dabei soll Bewährtes beibehalten und Neues behutsam eingestreut werden.
  4. Wichtig ist dabei auch der "systemische Umgang" der BeraterInnen mit der eigenen Person und mit KollegInnen, also die Förderung von ressourcen- und lösungsorientierter Teamkultur, Self-care und Burn-out-Prävention.
  5. Eine didaktische Besonderheit bildet die Integration sanfter körperorientierter Elemente, insbesondere aus dem Focusing (vor allem zur Entwicklung theoriegeleiteter Intuition) und die Arbeit mit kreativen Medien.
  6. Ziel bei der Vermittlung systemischer Theorie ist es zunächst, das Interesse der TeilnehmerInnen an theoretischer Auseinandersetzung zu wecken und die Bereitschaft zu fördern, sich mit den theoretischen Grundlagen systemischen Arbeitens zu befassen. Es soll daher vermittelt werden, dass Theorie nicht langweilig, abgehoben und trocken sein muss, sondern spannend und anregend sein kann. Durch den Erwerb entsprechender Kenntnisse, u.a. Handlungstheorie, Erkenntnistheorie und philosophische Grundlagen (z.B. Ethik), wird die Fähigkeit zur theoriegeleiteten selbständigen Reflexion von Beratungsprozessen entwickelt.

3. Methoden:

  1. Der Schwerpunkt liegt auf erfahrungsbezogenem Lernen und auf der Vermittlung von "praktischem Handwerkszeug". Dies erfolgt durch Übungen und Rollenspiele und entsprechende Reflexion.
  2. In jedem Kursabschnitt werden außerdem einige grundlegende Theorieelemente erarbeitet. Dies erfolgt durch Impulsreferate und Plenumsdiskussionen.
  3. Ein zentrales Lernelement bildet die Supervision von Fällen und Anliegen der Teilnehmerinnen; Supervision wird einerseits in die Kursabschnitte integriert, außerdem finden spezielle Supervisionsseminare statt, bei denen ausschließlich durch Supervision gelernt wird.
  4. Begleitend arbeiten die TeilnehmerInnen in kollegialen Lerngruppen. Dort findet kollegiale Supervision und Praxisreflexion statt, außerdem bilden die Peer-Grupppen ein Forum für kollegial angeleitete Selbsterfahrung, für Literaturstudium und für die Erarbeitung und Präsentation von speziellen theoretischen Themen.
  5. Selbsterfahrung wird von Beginn an in die Kursabschnitte und die Supervisionstage integriert, dann schrittweise auch in die Arbeit der Peer-Gruppen implementiert und in einem speziellen Kursabschnitt zur Familienrekonstruktion vertieft.

4. Kursinhalte:

4.1. Einführung in die Grundlagen systemischer Arbeit:

Gestaltung von Erstgesprächen: Was bedeutet das Allerweltswort "systemisch" und womit beginnt systemisches Arbeiten ganz praktisch?

Praxiselemente: Die Struktur des systemischen Erstgesprächs bzw. der Anfangsphase von Beratungsprozessen, insbesondere Hypothesenbildung, Klärung des Settings und des Überweisungskontextes, Aufbau und Gestaltung von Beratungsbeziehungen, Aushandeln und Verändern von Aufträgen.

Theorieelemente: Die Weiterentwicklung der klassischen Familientherapie zur systemisch-konstruktivistischen Perspektive bei der Lösung von Problemen in sozialen Systemen.

4.2 Zirkuläre Fragen - Metaperspektiven

Wie können systemische Vorgehensweisen in den Beratungsablauf "eingestreut" werden, so dass sie verändernd wirken, aber nicht aufgesetzt sind?

Praxiselemente: Systemische Interviewtechniken, insbesondere zirkuläres Fragen, Pausen, Arbeit mit reflektierenden Teams, Variation für spezielle Kontexte, z.B. Arbeit mit reflektierenden Handpuppen. Theoretische Grundlagen: die Bedeutung der Metaperspektive; Kybernetik 2. Ordnung

4.3 Systemische Diagnostik und Interventionsformen

Welches "Handwerkszeug" gibt es zur Diagnose und Intervention?

Praxiselemente: Gestaltung von Interventionen und Aufgaben, Individuelle und systemische Diagnostik; Arbeit mit Skulpturen, Familienbrett, Probleme und Möglichkeiten der Kooperation unterschiedlicher Berufsgruppen und Institutionen, z.B. "Mini-Netzwerkkonferenz", Helfer-Konferenzen ...

Theorieelemente: Die Entwicklung familientherapeutischer bzw. systemischer Schulen; Modelle über Veränderungsprozesse in sozialen Systemen

4.4 Systemische Einzelberatung

Ganze Familien kommen ganz selten zur Beratung - (wie) kann ich trotzdem systemisch vorgehen?

Praxiselemente: Lösungsorientiertes Vorgehen; Anwesendmachen von Nichtanwesenden, Dokumentation von Beratungsprozessen

Theoretische Grundlagen: radikaler Konstruktivismus und seine beraterischen Implikationen, insbesondere Unmöglichkeit instruktiver Interaktion, therapeutisch wirksame Verstörung von Systemen usw...

4.5 Familien-Rekonstruktion

Welche Bedeutung haben Aufträge, Muster und ihre Veränderung in der eigenen Herkunftsfamilie für die Beratungspraxis?

Praxiselemente: Arbeit mit Genogrammen, Familienaufstellungen, Skulpturen, Körperarbeit, biografische Selbstreflexion (z.B. Helferrolle, Umgang mit Macht und Ohnmacht)

Theorieelemente: Grundlagen des phänomenologisch-systemischen Ansatzes, Integration von körperorientierten Vorgehensweisen (insbesondere Focusing) in Beratungsprozesse

4.6 Arbeit in und mit größeren Systemen - Organisations-Rekonstruktion

Wie kann ich konstruktiv mit Verstrickungen auf der Team- und Organisationsebene umgehen?

Praxiselemente: Analyse des eigenen Handlungskontextes und der spezifischen Auftragslage; Arbeit mit Organigrammen, Muster und "Verstrickungen" in Institutionen und Ansätze zur Lösung, Organisationsaufstellungen.

Theorieelemente: Die Bedeutung der Entwicklungen der neueren Systemtheorie für die Arbeit mit größeren Systemen (Autopoiesis, strukturelle Koppelung usw.)

4.7. Systemisches Arbeiten mit unterschiedlichen Systemen

Welche unterschiedlichen Klientensysteme gibt es und wie arbeitet man am besten mit ihnen?,

Praxiselemente: Arbeit in Zwangskontexten - Neutralität in nicht-neutralen Kontexten; Unterschiedliche Familienkonstellationen: Alleinerziehende, Patch-Work-Familien, Paare ohne Kinder..., Strategien systemischer Vernetzung

Burn-out-Prävention und Self-Care

Theorieelemente: Soziale Systeme im institutionellen und gesellschaftlichen Kontext; Entwicklungsphasen von Systemen, Reflexion der ethischen Dimension systemisch-konstruktivistischer Praxis.

4.8 Spezifische Krisen und Störungen

Störungsspezifische Beratungsstrategien: Beratung von Familien mit einem chronisch kranken Mitglied; Sucht; Gewalt und Missbrauch, Trennung und Scheidung. Schwerpunktsetzung je nach TeilnehmerInneninteresse.

4.9 Abschluss - Integration

Wie kann der Abschluss von Beratungen konstruktiv gestaltet werden? Welche adäquaten Möglichkeiten gibt es zur (Selbst-)Evaluation? Abschied und Ausblick.

Praxiselemente: Systemische (Selbst-)Evaluation - Möglichkeiten, Erfolge der eigenen Arbeit zu sehen und zu bewerten; Erkennen von Problem-Mustern und Lösungsmustern in der eigenen Arbeit, Rückfallprophylaxe, Beendigung von Beratungspozessen, Abschlussrituale. Theorieelemente: Evaluation, Qualitätssicherung und -entwicklung in der systemischen Praxis